Positive Psychologie und Person-Centered Planning: Ein Gespräch über das, was uns aufblühen lässt

Es gibt Begegnungen, die noch lange nachklingen, weil sie zeigen, wie sehr unsere Haltungen und Visionen miteinander verbunden sind. Eine solche Begegnung hatte ich 2019 auf der Konferenz des „Netzwerks Persönliche Zukunftsplanung“ in Luxemburg, wo ich Simon Duffy kennenlernen durfte. Simon ist ein britischer Philosoph, Aktivist, Forscher und Mitbegründer von Citizen Network – einem Think-Tank, der sich dafür einsetzt, eine Welt zu schaffen, in der jeder Mensch zählt.

Im Jahr 2020 haben Simon und ich uns online wiedergetroffen, um ein ausführliches Gespräch zu führen. Unser Thema: Das Potenzial der Positiven Psychologie als Beitrag zum Person-Centered Planning (Persönliche Zukunftsplanung) und zur Förderung von echter Teilhabe für alle Menschen. Das Centre for Welfare Reform hat dieses Gespräch freundlicherweise aufgezeichnet, und ich möchte es heute gerne hier mit Ihnen teilen.

In unserem Austausch wurde sehr schnell deutlich, wie tief die philosophischen und praktischen Überschneidungen unserer beiden Arbeitsfelder sind. Sowohl die Positive Psychologie als auch das Person-Centered Planning lehnen eine rein defizitorientierte Sichtweise ab. Anstatt immer nur zu fragen, was jemand nicht kann oder was repariert werden muss, stellen wir die wesentliche Frage: Was sind die Ressourcen, die Stärken und die Geschenke (gifts), die diese Person in die Welt bringt?

Ein zentrales Konzept, das ich in unserem Gespräch vorstellen durfte, sind die 24 universellen Charakterstärken nach Seligman und Peterson (die VIA-Klassifikation). Wenn wir aufhören, bei Menschen mit Behinderungen nur auf reine Kompetenzen zu schauen (Was kann die Person tun?), und stattdessen den Blick auf die Persönlichkeit weiten (Wie ist die Person?), geschieht etwas Wunderbares. Ich erzähle im Video das Beispiel eines jungen Mannes mit Down-Syndrom, dessen herausragende Signaturstärke die „Freundlichkeit“ war – eine Eigenschaft, mit der er die Stimmung seines gesamten Umfelds maßgeblich positiv beeinflusste.

Beide Ansätze – die Positive Psychologie und die Persönliche Zukunftsplanung – sind zutiefst egalitär. Sie gehen davon aus, dass jeder Mensch Stärken hat. Es geht nicht um Hierarchien, sondern darum, die Vielfalt an Stärken in einer Gemeinschaft wertzuschätzen und zusammenzubringen. Dabei ist mir eine Unterscheidung besonders wichtig, die wir im Video diskutieren: Gesundheit ist nicht gleich Wohlbefinden. Man kann eine chronische Krankheit oder eine schwere Behinderung haben und dennoch ein hohes Maß an Wohlbefinden erleben und im Leben „aufblühen“ (flourishing).

Gleichzeitig bedeutet Positive Psychologie nicht, toxische Positivität zu verbreiten oder negative Emotionen wegzulächeln. Wut oder Trauer sind extrem wichtige Signale dafür, dass Werte verletzt werden oder Rahmenbedingungen schlecht sind. Wut kann eine enorme Kraft für Veränderungen sein. Es geht vielmehr darum, Hoffnung und Motivation zu wecken und gemeinsam an Systemen zu arbeiten, die echte Kooperation fördern, anstatt auf Konkurrenz und Schuldzuweisungen zu setzen.

Ich lade Sie herzlich ein, sich unser Gespräch anzusehen. Es ist ein Plädoyer dafür, den Fokus von Defiziten auf individuelle Charakterstärken zu lenken und gemeinsam an einer gerechteren Gesellschaft zu bauen.